Forstliches Gutachten 2018
Forstliche Gutachten zur Situation der Waldverjüngung

Die Bayerische Forstverwaltung erstellt seit 1986 alle drei Jahre die Forstlichen Gutachten zur Situation der Waldverjüngung, kurz auch Vegetationsgutachten genannt.

Kommen Reh-, Rot- oder Gamswild in zu großer Zahl vor, werden vor allem junge Tannen oder Laubbäume wie Eiche oder Edellaubhölzer durch übermäßigen Verbiss der Knospen am Aufwachsen gehindert. Diese bleiben dann gegenüber den weniger schmackhaften Baumarten in ihrer Entwicklung zurück. Aus artenreichen und gemischten Verjüngungen können so im Lauf der Zeit Nadelholzreinbestände mit all ihren Nachteilen entstehen.

Rund um das Forstliche Gutachten

Ziel standortgemäße Mischwälder
Um stabile und standortgemäße Mischwälder in Bayern zu erhalten oder neu zu schaffen, sind daher waldangepasste Schalenwildbestände eine notwendige Voraussetzung. Nur so können die Wälder auch in Zukunft ihre vielfältigen Leistungen optimal erbringen. Aus diesem Grund sind im Waldgesetz für Bayern der Grundsatz "Wald vor Wild" sowie im Bayerischen Jagdgesetz das sogenannte "Waldverjüngungsziel" verankert: "... insbesondere soll die Bejagung die natürliche Verjüngung der standortgemäßen Baumarten im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen ermöglichen". Diese Regelungen sollen die Grundeigentümerinnen und -eigentümer in die Lage versetzen, das waldbauliche Potenzial ihrer Wälder bestmöglich ausschöpfen zu können.
Forstliches Gutachten
Um beurteilen zu können, ob Wald und Wild miteinander in Einklang stehen, braucht es regelmäßige Informationen über den Zustand der Waldverjüngung. Aus diesem Grund erstellen die Forstbehörden für jede der rund 750 Hegegemeinschaften in Bayern alle drei Jahre ein Forstliches Gutachten. Die Forstlichen Gutachten gibt es seit 1986 und wurden 2018 bereits zum zwölften Mal erstellt.
Verjüngungsinventur
Bevor die Forstlichen Gutachten erstellt werden, führen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bayerischen Forstverwaltung alle drei Jahre im Vorfeld der Drei-Jahres-Abschussplanung für Rehwild von Ende Februar bis Anfang Juni eine Inventur der Waldverjüngung durch. Dabei werden bayernweit über zwei Millionen junge Waldbäume untersucht, ob und wie stark diese durch Schalenwildverbiss beeinflusst sind.
Datenauswertung und Einwertung vor Ort
Der wichtigste Weiser für den Schalenwildeinfluss auf die Waldverjüngung ist der Anteil der Pflanzen mit frischem Leittriebverbiss. Darüber hinaus werden weitere Auswertungen der Verjüngungsinventur sowie Erkenntnisse zur Waldsituation, z. B. aus Waldbegängen, für die Einwertung der Situation der Waldverjüngung herangezogen.
Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in Freising wertet die im Rahmen der Verjüngungsinventur erfassten Daten aus. Auf Grundlage dieser Ergebnisse wird für jede Hegegemeinschaft in Bayern ein Forstliches Gutachten erstellt.
Gemeinschaftliche Abschussplanung
Auf der Grundlage der vorgelegten Ergebnisse sollten nunmehr die Jagdgenossenschaften und Revierinhaber die Situation für ihr jeweiliges Jagdrevier sorgfältig analysieren und bei der heranstehenden Abschussplanung in Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden die Weichen für eine Bejagung stellen, bei der die Belange der Waldverjüngung in angemessenem Umfang Berücksichtigung finden. Dabei haben sich in der Vergangenheit gemeinsame Revierbegänge von Jagdvorständen, Waldbesitzern und Revierinhabern zur Diskussion der Problematik vor Ort als sehr förderlich erwiesen.

Ergebnisse der Forstlichen Gutachten 2018

Bayernweit hat sich der Anteil der Laubbäume in der Verjüngung in den letzten 27 Jahren von rund 39% im Jahr 1991 auf rund 51% im Jahr 2018 erhöht. Der Anteil der Nadelbäume ist entsprechend von 61% auf rund 49% zurückgegangen.
Insgesamt liegt die Verbisssbelastung der jungen Bäume etwas über der von 2015. Bei 3% der Fichten (2015: 2%), 13% der Tannen (2015: 12%), 5% der Kiefern (2015: 4%), 13% der Buchen (2015: 12%), 26% der Eichen (2015: 24%) und 22% der Edellaubbäume (2015: 21%) waren die Leittriebe vom Schalenwild frisch verbissen.
In 53% der Hegegemeinschaften können sich standortgemäße Baumarten im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen gegen Schalenwild erfolgreich verjüngen.
Im Landkreis Rosenheim wurden für das aktuelle Gutachten im Frühjahr 2018 in den 16 Hegegemeinschaften über 36.000 Jungpflanzen aufgenommen. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Situation der Waldverjüngung entgegen dem bayernweiten Trend gegenüber 2015 teilweise verbessert hat. So ist z.B. der Leittriebverbiss bei der besonders gefährdeten Tanne im Landkreis-Durchschnitt von 17,7% auf 13,5% gefallen, wobei jedoch örtlich erhebliche Unterschiede bestehen.
Dagegen ist der Leittriebverbiss über alle Laubbäume von 11,6% im Jahre 2015 auf 16,3% im Jahre 2018 gestiegen.
Es wurde empfohlen, den Abschuss in 2 von 16 Hegegemeinschaften zu erhöhen. In den restlichen Hegegemeinschaften kann der Abschuss beibehalten werden.
Übersicht Verbissbelastung und Abschussempfehlung 2018
HG Nr. Hegegemeinschaft Name Verbissbelastung Abschussempfehlung
139 HG I Rosenheim tragbar beibehalten
124 HG II Inntal tragbar beibehalten
125 HG III Kampenwand zu hoch erhöhen
126 HG IV Chiemsee West zu hoch erhöhen
127 HG V Riedering zu hoch beibehalten
128 HG VI Hofstetter See tragbar beibehalten
129 HG VII Bad Aibling Nord / Tuntenhausen tragbar beibehalten
130 HG VIII Bad Aibling / Maxlrain tragbar beibehalten
131 HG IX Bad Aibling Süd / Dettendorf günstig beibehalten
132 HG X Bad Aibling West / Bruckmühl günstig beibehalten
133 HG XI Bad Aibling Nordwest / Feldkirchen zu hoch beibehalten
134 HG XII Griesstätt tragbar beibehalten
135 HG XIII Friedl See tragbar beibehalten
136 HG XIV Babensham tragbar beibehalten
137 HG XV Rott tragbar beibehalten
138 HG XVI Altensee tragbar beibehalten

Revierweise Aussagen 2018

Revierweise Aussagen – eines der wichtigsten Instrumente zur Beteiligung der Waldbesitzer und Jäger – stoßen auf der Fläche auf große Akzeptanz und wurden für rund 7.500 der 12.700 Jagdreviere in Bayern angefertigt. Diese "Revierweisen Aussagen" erhöhen und konkretisieren die Aussagekraft der Forstlichen Gutachten, indem sie vor dem Hintergrund der Inventurergebnisse im Wesentlichen auf den örtlichen Erkenntnissen und Erfahrungen der jeweils zuständigen Forstbeamtinnen und Forstbeamten basieren. Dadurch wird die Abschussplanung auf der Ebene der Jagdreviere erleichtert.
Im Landkreis Rosenheim wurden für ca. 2/3 der 248 Jagdreviere Revierweise Aussagen erstellt.
Auswertung der "Revierweisen Aussagen 2018" (RA) im Landkreis Rosenheim - Wertung Verbissbelastung
günstig tragbar zu hoch deutlich zu hoch keine RA möglich
(Anzahl) 20 74 39 0 3
(%) 15% 54% 29% 0% 2%
Auswertung der "Revierweisen Aussagen 2018" (RA) im Landkreis Rosenheim - Tendenz der Verbissituation
Verbessert Unverändert Verschlechtert RA erstmalig erstellt
(Anzahl) 34 47 14 41
(%) 25% 35% 10% 30%