Studierende im Homeschooling
Lernen in der guten Stube

Studierender am Wohnzimmertisch mit LaptopZoombild vorhanden

Homeschooling

Distanzunterricht im Lockdown - Zwischenbilanz an der Landwirtschaftsschule Rosenheim

Das Wintersemester hatte schon mit einer Besonderheit begonnen. Alle Studierenden saßen in ihren Klassenräumen weit auseinander und trugen ebenso wie die Lehrkräfte im Unterricht Mund- und Nasenbedeckungen. Das war für beide Seiten anstrengend, zu wenig Sauerstoff im Gehirn, oftmals Verständigungsprobleme und eine unsichtbare Mimik. Die zweite Corona-Welle rollte zu diesem Zeitpunkt bereits über das Land und die Angst vor einer erneuten Schulschließung prägte die Diskussion in den Semestern. Als Anfang Dezember im Schulgebäude die Lichter ausgingen, waren viele Studierende besorgt über den Fortgang des Unterrichtes im Lockdown.

Praxisunterricht online – Kochshow als neue Unterrichtsform

Die Schule war auf die neue Herausforderung vorbereitet. Man hatte sich bereits Monate zuvor für ein gängiges, leicht bedienbares und weitgehend sicheres Videokonferenzsystem entschieden, mit dem die Studierenden live am Unterricht teilnehmen können. Dieses Videokonferenzsystem war im Schulnetz eingerichtet und die Studierenden wurden kurz vor dem Lockdown darin eingewiesen. In den Klassenzimmern wurden stationäre EDV-Einheiten, bestehend aus Laptop, Zusatzbildschirm, Kamera, Headset und Dokumentenkamera aufgebaut. Zwischenzeitlich unterrichten die Lehrkräfte auch live aus der Küche oder dem Hausarbeitsraum, gelegentlich auch aus dem Homeoffice, soweit sich die Übertragung als stabil erweist. In den laufenden Videokonferenzen werden regelmäßig Fachleute und Verantwortliche aus den verschiedensten Organisationen dazu geschaltet. So wird Online-Unterricht spannend und aktuell.

Was sagen die Studierenden zum Homeschooling?

Kochshow als neue UnterrichtsformZoombild vorhanden

Praxisunterricht online

Die Landwirtschaftsschule Rosenheim umfasst die Abteilung Landwirtschaft, die Meisterschule Hauswirtschaft und die einsemestrige Fachschule Hauswirtschaft. 90 Studierende wurden vor kurzem zu ihrer persönlichen Situation im Homeschooling befragt. Nur eine Studierende ist mit ihrer eigenen technischen Ausstattung nicht zufrieden. Die allermeisten Studierenden bezeichnen ihr eigenes EDV-System als "gut geeignet" (57%) oder "in jedem Fall als ausreichend" (42%). In Rosenheim verfügen alle Studierenden vom 1. Semester an über eigene Laptops, die sie bei der Erstellung der verschiedenen Projekte und Arbeiten in der Schule und zuhause benötigen.
Technische Störungen selten
Technische Störungen, wie Netzschwankungen oder Systemabstürze, können passieren. Damit muss man im Online-Unterricht leben lernen. Nur bei 3% gibt es häufig Probleme. Gerade bei letzterem steckt meist eine regionale schwache Netzanbindung dahinter.
Online-Unterricht strengt an
Online-Unterricht wird von den Studierenden unterschiedlich empfunden. Der ständige Blick in den Bildschirm und das lange tägliche Sitzen am Computer ist für viele gewöhnungsbedürftig. 61 % der Befragten halten den Distanzunterricht für anstrengender als den Präsenzunterricht. Die Gefahr der Ablenkung ist zudem sehr groß. Telefon und Handy liegen oftmals griffbereit neben dem Laptop. Besonders problematisch ist die Situation einzelner Mütter, die die Abteilung Hauswirtschaft besuchen. Das eigene Homeschooling, das Homeschooling der Kinder und die Haushaltsführung unter einen Hut zu bringen ist eine echte Herausforderung und verdient höchsten Respekt.

Auch die Lehrkräfte sind gefordert. Sie sind äußerst engagiert und investieren viel Zeit in die Unterrichtsvorbereitung. Die hohe Kunst in dieser Unterrichtsform liegt darin durch Aktualität, Praxisbezug und lebendige Beispiele besondere Impulse zu setzen, mit denen die Studierenden zur Mitarbeit motiviert werden können. Denn nur wer bei der Sache ist, wird von dieser Unterrichtsform profitieren.

In den letzten Wochen wurden einige Leistungsnachweise online geschrieben. Die Tests und Arbeitsaufträge forderten Transferleistungen für ein individuelles Projekt oder den eigenen Betrieb. Die Korrekturen waren für die Lehrkräfte sehr zeitraubend. Mit konkreten persönlichen Fragestellungen rücken die eigene Arbeitswelt und Lebenssituation noch stärker in den Mittelpunkt des Unterrichts. Das Profil der Meisterschule wird somit weiter geschärft.

Als Zwischenbilanz kann man festhalten: Es geht besser als gedacht und deutlich besser als an vielen allgemeinbildenden Schulen.

Bei aller Euphorie über den gelungen Online-Unterricht an unserer Landwirtschaftsschule darf man eines nicht vergessen: Die Studierenden sind in die Landwirtschaftsschule gekommen, weil sie sich gemeinsam mit Berufskolleginnen und -kollegen auf neue Herausforderungen vorbereiten wollen. Den Studierenden fehlt in der derzeitigen Unterrichtsform die Klassengemeinschaft, vielen auch die Geselligkeit. Der fachliche Informationsaustausch untereinander und die Möglichkeit bei den Lehrkräften spontan nachzufragen, wird als großer Vorteil des Präsenzunterrichtes gesehen. Nebenbei würden sie gerne wieder Betriebe besuchen und an Lehrfahrten teilnehmen.

Einsame Lehrkraft im leeren Klassenzimmer Zoombild vorhanden

Einsame Lehrkraft

Als Pädagogen müssen wir uns auch die Frage stellen, wie viel mit dem Distanzunterricht tatsächlich "hängen bleibt". Die Nachhaltigkeit des Lernens wird bekanntlich nicht nur durch die persönliche Betroffenheit, sondern auch durch intensive und emotionale Diskussionen in der Klassengemeinschaft gefördert. Gerade dieses Element fehlt im Distanzunterricht.
Die häufig gestellte Frage "Wann dürfen wir wieder in Schule?" zeigt es deutlich auf: die Sehnsucht nach gemeinschaftlichem Unterricht im Klassenzimmer wächst mit jedem Tag im Onlineunterricht. Aus den Erfahrungen der letzten Monate sind wir der Überzeugung, dass Online-Unterricht den Präsenzunterricht gut ergänzen kann, dass aber der Anteil des Präsenzunterrichtes immer überwiegen sollte.